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  • 20.2.19 - Fliegerhorst Eindhoven

 

Das Flugkörpergschwader 1 Landsberg mit dem Waffensystem Pershing präsentiert durch die Traditionsgemeinschaft FKG 1 e.V.

Vortragende: Haupt.a.D. Walter Barth und OTL a.D. Helmut Staebler
Bericht von Hauptm. a.D. Peter Wodniok und Heinz Gerrits, Sektionsleiter München

28 Jahre Bereitschaft mit dem Waffensystem der Luftwaffe Pershing war die Überschrift eines Vortrages, den ehemalige Angehörige des FKG 1 am 4.Juli 2019 im Blauen Salon des Kasinos der Luftwaffe Fliegerhorst Fürstenfeldbruck vor über 50 Teilnehmern der Sektion hielten.


Pershing 1A Start USA

Der Vortrag behandelte folgende Themen:

Lenkflugkörper- Zeitalter
Entwicklung zum Waffensystem Pershing
Gliederung und Unterstellung
Ortsfester und mobiler Einsatz
Praxistest in den USA


Vortragende Traditionsgemeinschaft FKG 1 e.V. links Hptm a.D. Walter Barth, rechts OTL a.D. Helmut Staebler

Die Raketenentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg in den Siegerstaaten wurde angesprochen mit dem Abschöpfen von deutschem Wissen. Ein Schwerpunkt dabei war die Entwicklung der Pershing in den USA als Gegengewicht zur nuklearen Aufrüstung der Sowjetunion von 1958 bis zum ersten Testschuss 1960.
Die massive Aufrüstung der Sowjetunion zwang die Westmächte dazu, diesem Potential ein adäquates und effizientes Gegenstück zu präsentieren. Dies sollte ein Waffensystem sein, das schnell verfügbar, jederzeit einsetzbar, sowie ohne die Limitierungen vorangegangener Systeme war. Das Ergebnis war das System PERSHING 1.

Anfang der 60er Jahre gab es im Fliegerhorst Kaufbeuren den zuerst geplanten Einsatz mit zunächst dem Flugkörper Matador, wobei aber nur am Standort Kaufbeuren die FK-Gruppe 11 mit Matador für einige Jahre Bestand hatte. Matador kam aber nie zur Einsatzreife.

Das FKG 1 Landsberg bestand von 1963 bis zur Auflösung 1990. Der Verband hatte eine stationäre Einsatzstellung für eine Sofortbereitschaft auf dem sog. OCHSENHOF bei Kempten. Ansonsten wurden häufige und schnelle Verlegungsübungen im süddeutschen Raum bis nach Baden-Württemberg mit erheblichem Ausbildungsbedarf gemacht.

Ein weiteres FK-Geschwader war auf dem ehemaligen Flugplatz Geilenkirchen zu Hause.
Die US Army hatte nahe Schwäbisch Gmünd in Mutlangen eine Pershing-Einheit sowie in Neu-Ulm, und in Neckarsulm. Diese Standorte waren später, nach Einführung der PERSHING 2 aufgrund des Nato-Doppelbeschlusses, bekannte Demonstrationsorte der Nachrüstungsgegner.

Geschwadergliederung

Ab 1970 wurde die verbesserte Pershing 1A bei der US-Armee und parallel dazu in der Luftwaffe eingeführt.
In einem Verband waren bis zu 36 Startgeräte in einer Einsatzgruppe mit 4 FK-Staffeln und eine technische Unterstützungsgruppe mit allen Möglichkeiten für den Friedens- und Feldeinsatz vorhanden. Ständig befand sich eine FK-Staffel mit 9 Startgeräten in einer ausgebauten Stellung in Sofortbereitschaft d.h. als QRA (Quick Reaction Alert). Die Flugkörper waren auf Ziele ausgerichtet und binnen weniger Minuten feuerbereit. Die Mannschaften waren eine Woche im Dauereinsatz, hatten anschließend eine Woche Dienstbefreiung.

Ein Geschwader umfasste ca. 1800 Soldaten, davon etwa 85 % Wehrpflichtige, rund 800 Fahrzeuge und Hunderte Tonnen Material. Je nach Auslösung von verschiedene Alarmarten zur Verlegung in Feldstellungen verlegten Personal und Material in kürzester Zeit in vorgeplante Feldstellungen.

Das Waffensystem war ein ballistischer Flugkörper für den nuklearen Einsatz in einem Reichweitenband zwischen 180 bis zu 740 km. Der Flugkörper bestand aus zwei Feststoffantriebsstufen, einem Lenk-und Steuerteil und dem Gefechtskopf. Die Bodengeräte -Startlafette, Programmier- und Teststation (PTS), Kraftstation und die Transport – und Montagevorrichtung für den Gefechtskopf unter US-Army Aufsicht – waren in der ursprünglichen Version 1 auf Kettenfahrgestellen montiert.

Die neue Version 1A wurde dann auf Radfahrzeuge umgestellt und damit flexibler bei Verlegung einsetzbar, sowie einfacher in Betrieb und Wartung, sowie besser geeignet für die Nutzung des guten Straßennetzes in DEU.
Die Forderung nach weitgehend aufklärungssicherer Kommunikation wurde anfangs mittel Funk, Fernschreib und  Fernsprechverfahren sowie durch ein Troposcattersystem abgedeckt, das die Tropospähre als Reflektionsschicht nutzte.

Die Lenkwaffe erreichte eine für die damalige Zeit eine sehr gute Treffgenauigkeit. Das kreiselstabilisierte Trägheitsnavigationsverfahren stellte dies sicher. Aus den Koordinaten von Abschuss- und Zielort, geplanter Detonationshöhe und Wetterdaten ermittelte die PTS -Teststation den Schussrichtungswinkel sowie die Antriebs- und Flugbahndaten. Die Daten wurden während des Count-Down auf den Rechner im Lenk-und Steuerteil übertragen.
Nach dem Abschuss war der Flug autonom, also nicht mehr beeinflussbar. Die tatsächlichen Flugdaten wurden laufend mit den vorberechneten Daten verglichen und gegebenenfalls durch die systemeigenen Mittel korrigiert.


Reichweite bis zur russischen Grenze

Die Motorstufen und das Lenk- und Steuerteil wurden auf der Startlafette zusammengebaut, während der Gefechtskopf im Einsatz in einem Behälter auf der Startlafette mitgeführt und zur Auftragserfüllung angebaut wurde.

Aufbau der Rakete

Nach Herstellung der Gefechtsbereitschaft wurde das System auf „Stand-By“ versetzt und aus diesem Zustand konnte innerhalb von wenigen Minuten abgefeuert werden. Voraussetzung war der Einsatzbefehl von SHAPE sowie eine gültige Authentisierung durch deutsches und US Personal vor Ort.
Es bestand immer die sog. „Two men rule„ Situation d.h. deutsche Zuständigkeit für den Einsatz der Waffe von deutschem Boden aus und die amerikanische Verfügungsgewalt über die Gefechtsköpfe, war durchgängiges Prinzip bis zur Freigabe.

Der Flugverlauf der Pershing 1A nach Startfreigabe begann mit der Aufrichtung der Rakete, dann das Abstoßen des Kabelmasts und Zündung der ersten Motorstufe. Diese brannte 38 Sek., danach folgte eine antriebslose Phase variabler Länge. Dann wurde die erste Stufe abgesprengt und die zweite gezündet. Diese brannte zwischen 13 und 39 Sek. je nach gewünschter Reichweite. Brennschluss wurde dadurch bewirkt, dass durch Aufsprengung von Öffnungen, die nach vorn gerichtet waren, der Schub neutralisiert wurde. Es folgte fast zeitgleich das Aufsprengen der 2.Stufe auf den Seiten zur vollständigen Schubneutralisation. Gleichzeitig wurde der Gefechtskopf abgestoßen und damit letztendlich geschärft und in einen leichten Drall versetzt. So stabilisiert erreichte er auf einer ballistischen Flugbahn eine Gipfelhöhe von 100-180 km und stürzte dann mit etwa Mach 8 auf das Ziel zu.


Flugbahn


QRA-Einsatzrythmus des Geschwaders


QRA-Aufbau

Einmal im Jahr ging jeder Verband in die USA zum Scharfschuss als „Höhepunkt„ der Arbeit an der Pershing 1A unter strenger Beobachtung amerikanischer und deutscher Spezialisten.

Der Abschluss des Vortrags bildete ein Film der Bw über die Reise von je einem Abschussbereich der beiden deutschen Geschwader in die USA auf die Hueco Launch Site in New Mexiko, um dort mehrere Flugkörper „life“ zu starten.


PERSHING 1A auf Startlafette im Luftwaffenmuseum Gatow

Alles in allem war es ein sehr gelungener Vortrag über ein wenig bekanntes Thema der Luftwaffe als eine fast vergessene Episode unserer politischen Militärgeschichte.


Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

Kontakt

Geschäftsstelle
Freundeskreis Luftwaffe e.V.
Wahn 504/10
Postfach 906110
51127 Köln

Telefon: +49 (0) 2203 - 64815
Telefax: +49 (0) 2203 - 800397
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