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Die unbekannten Rüstungsverbindungen in der DDR-Luftfahrt mit den Ländern des Nahen Ostens.

Autor: Rainer Appelt, Leiter Sektion Dresden

Die Sektion Dresden des Freundeskreises Luftwaffe e.V. hatte im November 2017 wiederum Günter Miksch als Referent zu Gast. Als Beschäftigter des VEB Flugzeugwerft Dresden referierte er diesmal zu einem in der DDR geheim gehaltenen Thema von unbekannten Rüstungsverbindungen dieses Betriebes zu Ländern des Nahen Ostens.


MiG-17 F, Quelle Günther Miksch, Dresden

Mit der Einstellung der Luftfahrtindustrie der DDR im Jahr 1961, wurde der VEB Flugzeugwerke Dresden im Juli 1961 in den VEB Flugzeugwerft Dresden umgewandelt (FWD). Von den einst 9.000 Beschäftigten der FWD wurden 2.500 in die Flugzeugwerft übernommen. Die neuen Aufgaben bestanden in der Reparatur und Wartung von Flugzeugen und Geräten der NVA sowie der zivilen Luftfahrt INTERFLUG. Nach 1979 dominierte die Instandsetzung militärischer Flugzeuge wie der MiG-21 u.a. (Beginn 1964) in verschiedenen Versionen. Ab 1979 begann die Vorbereitung für die Instandsetzung osteuropäischer MiG-23 ebenfalls verschiedener Versionen, einschließlich der MiG-23 BN *.


IL-14 aus Dresden, Quelle Günther Miksch, Dresden

Die Rüstungsverbindungen in der DDR-Luftfahrt, über die im Vortrag referiert wurde, kann man zweckmäßigerweise in zwei Thematiken einteilen, einerseits die direkte Militärhilfe insbesondere für afrikanische Länder sowie den Aufbau kommerzieller Verbindungen zu Ländern des Nahen Ostens. Zur ersten Kategorie zählte die Lieferung sowohl militärischen Gerätes wie Waffen (z.B. Herstellung und Lieferung der K-47 “Kalaschnikow“ aus Lizenzproduktion in Wiesa/Erzgebirge), Munition, Minen, Militärfahrzeuge etc. als auch die von Flugzeugen. Im Zeitraum von 1963-1966 lieferte die DDR insgesamt 20 IL-14 (davon 8 aus der DDR, 12 aus der Sowjetunion) an die Luftstreitkräfte Ägyptens. 1967 erfolgte eine Lieferung von 30 MiG-17F (diese wurden von ägyptischen Piloten über Jugoslawien abgeholt) und 1968 von 20 MiG-17F, die mittels An-12 in Dresden abgeholt wurden. Andere Länder wie Syrien erhielten 1968 9 MiG-17 F, 1973 12 MiG-21 M, Mosambik 1981 12 MiG-17 F und 1 MiG-15 UTI (Lieferung durch NVA).


MiG-21 F,Quelle Günther Miksch, Dresden

Ab 1982 wurde das kommerzielle Geschäft des VEB Flugzeugwerft Dresden kontinuierlich ausgebaut. Die Abrechnung der Leistungen erfolgte auf Dollarbasis und brachte der DDR die dringend benötigten Devisen. Zur Leistung des Betriebes gehörten die Kontrolle, Instandsetzung und Reparatur von Miliärflugzeugen, insbesondere der MiG-21 unterschiedlicher Versionen. Der Transport der MiG-21 nach Dresden erfolgte auf unterschiedliche Art und Weise. Neben einer (seltenen) Flugüberführung waren dies der Seetransport (über den Hafen Wismar, Bahntransport nach Dresden, Landtransport ins Werk) und der Lufttransport mittels Transportmaschinen wie z.B. mit An-12.


An-12, Quelle Günther Miksch, Dresden

Als zweckmäßiges Transportmittel der demontierten MiG-21 fungierten Spezialtransportkisten, entwickelt und produziert im VEB FWD, mit den Maßen von 4 x 4,5 x 16 m (diese Transportkisten erfreuten sich in den betreffenden Ländern größter Beliebtheit als Häuser). Der technologische Durchlauf der Flugzeuge war in einzelne Instandsetzungsstationen gut durchorgansiert: Demontage-Ablaugen der Farbanstriche-Wartung/Instandsetzung/Reparatur-Lackierung-Montage-Einflug u.a.
Da alles unter größter Geheimhaltung lief, erhielten die betreffenden Länder folgende Tarnbezeichnungen: Ägypten (Land 51), Syrien (Land 52) und Irak (Land 53).


Spezial-Transportkiste für MiG-21, entwickelt und hergestellt im VEB FWD; Quelle: Günther Miksch, Dresden

Ägypten eröffnete das Geschäft mit der Anlieferung einer MiG-21 U am 23. Juni 1982. Zu den Leistungen des VEB Flugzeugwerft Dresden gehörte auch die Umrüstung einer MiG-21 als Fotoaufklärer. Ein Novum war, dass Ägypten ihre Maschinen mit einer Hercules in Dresden abholten.

Syrien begann das Geschäft mit einer MiG-21 F13 (600 Stunden-Kontrolle) bereits am 26. September 1974. In der Folgezeit gelangten viele Versionen der MiG-21 nach Dresden, die letzte war eine MiG-21F. Nach Irak bestanden die Geschäftsbeziehungen insbesondere mit der doppelsitzigen Variante der MiG-21, der MiG-21 U (selbst eine durch Bruchlandung stark beschädigte MiG-21bis wurde in Dresden repariert, deren Reparatur die Sowjetunion ablehnt hatte). Der Transport nach dem Irak wurde mittels einer sowjetischen IL-76 vorgenommen.


IL-76, Quelle Günther Miksch, Dresden

Die Erneuerung der Start- und Landebahn in Dresden im Jahr 1988 brachte der Werft weitere erschwerte Bedingungen. Der An- und Abtransport sowie das Einfliegen verursachte wiederholte Montagen und Demontagen und umfangreiche Landtransporte zum Ausweichflugplatz Holzdorf, die wirtschaftlich eigentlich nicht vertretbar waren.
Nach der Wende wurden die Arbeiten der Flugzeugwerft Dresden einer neuen Bewertung unterzogen, die in Arbeit befindlichen Aufträge für Ägypten und Syrien wurden noch bis 1991 alle ausgeliefert, die Aufträge für den Irak (10 Mig-21) wurden gestoppt und verschrottet.


Instandsetzungslinie im VEB Flugzeugwerft Dresden für MiG-21, Quelle Günther Miksch, Dresden

Eine andere Möglichkeit der Devisenbeschaffung, was aber nicht Gegenstand des Vortrages war, sah die DDR-Führung darin, Flugzeugführer ausgewählter Länder wie Iran auszubilden. Neuere Forschungen ** belegen, dass nicht nur die DDR während des Golfkrieges Irak-Iran im Jahr 1980 beide Seiten mit Waffen, technischer Ausrüstung und Munition belieferte sondern 1988 schloss die DDR mit Iran, das bisher in der DDR als „feindlich“ und „reaktionär“ galt, ein Abkommen, das sogenannte 12+4 Programm, über die Lieferung von 16 MiG-21 (12 MiG-21 PF, 4 MiG-21 U) und der Ausbildung des fliegenden Personals.


NVA-Ausbilder für iranische Piloten 1989 Flugplatz Rothenburg/OL.; Quelle: Militärhistorisches Museum Gatow, Band 16, Dr. Dannenberg, Dr. Donath

Die Jagdflugzeuge stammten alle aus dem Bestand der NVA, die eigentlich zur Abrüstung vorgesehen waren. Dieser Sachverhalt musste aber erst einmal „ideologisch“ von Reinhold Langener, damals Stellvertreter des Kommandeurs der Offiziershochschule für Militärflieger verdaut werden. Die Ausbildung iranischer Flugzeugführer wurde in der 3. Fliegerausbildungsstaffel realisiert und dauerte vom 28. Juni – 21. September 1989.


Iranische Flugschüler, Flugplatz Rothenburg/OL; Quelle: Militärhistorisches Museum Gatow, Band 16, Dr. Dannenberg, Dr. Donath

Die Anwesenden waren sich einig, wiederum  einen hochinteressanten, gut fundierten und mit viel Fachwissen untersetzten Vortrag von Günther Miksch gehört zu haben.

* Jochen Werner/Jürgen Michels: Instandsetzungsindustrie (1961-1990) in „Die deutsche Luftfahrt – Luftfahrt Ost 1945-1990, Bernard & Graefe Verlag, 1994

** Dr. Lars-Anne Dannenberg, Dr. Matthias Donath „Stets wachsam und gefechtsbereit – Die Geschichte des Flugplatzes Rothenburg/Oberlausitz 1953-1991“, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin-Gatow/Band 16, 2016, S. 123

Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

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