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Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen (KMBD)

Autor: Rainer Appelt, Sektion Dresden

In der September-Veranstaltung der Sektion Dresden hatten wir diesmal einen außergewöhnlichen Referenten zu Gast, den Sprengmeister und Leiter des sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) Dipl.- Ing. Thomas Lange. Am 18. Dezember 2016 hatte ihn der sächsische Innenminister Marcus Ulbig in den Ruhestand verabschiedet. Fast drei Jahrzehnte versah Thomas Lange seinen interessanten aber auch gefahrvollen Dienst für die Sicherheit des Landes. Bleibende Verdienste erwarb er sich, seit 1974 im Polizeidienst, beim Aufbau des sächsischen KMBD. Sein hohes Fachwissen und umfangreiche Erfahrungen befähigten ihn, wirkungsvolle administrative Verwaltungsstrukturen in Sachsen wie das digitalisierte Kampfmittelkataster u.a. aufzubauen. 2005 erhielt T. Lange das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein beispielhaftes Wirken.


Sprengmeister Thomas Lange bei der Arbeit mit 225-kg-Bombe, Plauen 18.5.2016. Quelle: T. Lange

Sein Vortrag umfasste Aussagen zum beruflichen Werdegang, sein Wirken seit 1987 als Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, die Instrumentarien bei der Suche nach Kampfmitteln sowie über deren Beräumung und Vernichtung. Auch auf den hochinteressanten  Aspekt, der Verwendung alliier-ter Luftbildaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als ein Baustein des Kampfmittelkatasters, wurde speziell eingegangen. War doch jede 8. abgeworfene Bombe ein Blindgänger!

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Deutschland hat seinen Vorläufer in den Belehrungsblättern für die „Beseitigung von Abwurfmunition“ aus dem Jahr 1941. Für den Zeitraum von 1942 bis 1945 waren fortan die dem Luftgaukommando unterstehenden Pioniere (Feuerwerker) für den Umgang von feindlicher Fundmunition zuständig. Das war damit die erste organisierte Beseitigung von Munition im zivilen Sektor. Unmittelbar nach dem Krieg übernahm ein privates Unternehmen in Dresden die Fa. Henckelmann von 1945 bis 1949 für den Bereich Dresden die Beseitigung von Munition nach dem Motto „Sammeln und Sprengen“. Ab 1949 war die Landespolizei Sachsen mit dem Regiebetrieb „Abrüstung“ dafür zuständig. Ab 1990 übernahm diese Aufgabe der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) Sachsen. Die Verantwortlichkeiten werden in Deutschland grundsätzlich auf Länderebene geregelt. Für den Freistaat Sachsen sind dies die „Kampfmittelverordnung“ und die „Verwaltungsvorschrift für die Kampfmittelbeseitigung“. Diese Regelungen haben sowohl die Gefahrenvorsorge:

•    Erstellen von Belastungskarten
•    Überprüfung von zur Verwertung anstehender Flächen
•    Beratung und Kontrolle im Auftrag Dritter
•    Öffentlichkeitsarbeit
•    Mitarbeit an Bildungseinrichtungen
•    Erstellen von Gutachten

als auch die Gefahrenabwehr:
•    Suche und Bergung von Kampfmitteln (KM)
•    Entschärfung/ Sprengung und Transport von KM
•    umweltgerechte Vernichtung von KM
zum Inhalt.

Bei der Entschärfung von Kampfmitteln geht es um die Unterbrechung der in der Bombe vorhandenen Zündkette, damit diese gefahrlos transportiert werden kann. Ist dies nicht möglich, muss die Sprengung der Fundmunition direkt am Fundort vorgenommen. Sollte ein Bürger einen Verdacht auf Fundmunition haben, müssen folgende Regeln beachtet werden: Fund nicht untersuchen und Fundort sichern, Meldung auch als Notruf an eine Polizeidienststelle (besteht Meldepflicht!), selbst bei Fehlmeldung entstehen keine Kosten.

Interessant ist der Fakt, dass die Verwendung alliierter Kriegsunterlagen (Luftbilder) in der Bundesrepublik Deutschland erst ab 1985/86 und nach der Wende in Sachsen ab 1992 möglich war. Damit standen die englischen aber teuren und die besseren und preiswerteren amerikanischen Luftbilder zur Verfügung.


RAF-Luftbild Dresden 1945 N.104o_wc-132, Wikimedia Commons

Die Größenordnung für die Beseitigung von Fundmunition soll an der Bombardierung von Dresden im Frühjahr 1945 verdeutlicht werden: Dresden wurde mehrmalig und zwar
0. 24.08.1944 USAAF Treffergebiet Freital
1. 07.10.1944 USAAF Treffergebiet Dresden Friedrichstadt (Güterbahnhof und Hafen)
2. 16.01.1945 USAAF Treffergebiet Dresden Friedrichstadt, Cotta, Löbtau und Leutewitz
3. 13.02.1945 RAF Treffergebiet Dresden Stadt
4. 14.02.1945 (01.23. Uhr) RAF Treffergebiet Dresden Stadt
5. 14.02.1945 (12.17. Uhr) USAAF Treffergebiet Dresden Stadt
6. 15.02.1945 USAAF Treffergebiet Raum Meißen bis Pirna
7. 02.03.1945 USAAF Treffergebiet Dresden Neustadt und Friedrichstadt
8. 17.04.1945 USAAF Treffergebiet Dresden Bahnanlagen (Haupt- und Neustädter Bahnhof und Friedrichstadt)

durch das britische Bomber Command (Bombenlast am 12.2. -13.2. 1.472 to. Spreng- und 1.262 to. Brandbomben) und amerikanische 8. USAF (Bombenlast am 14. und 15. Februar 771 und 462 to. und am 17. April 1.732 to.) bombardiert.

Dabei wurden insgesamt ca. 4.928 to (entspricht ca. 19.712 Bomben a 250 kg) abgeworfen. Bei einer Blindgängerquote von jeder 8. Bombe entspräche dies ca. 2.500 Stück nichtexplodierter Bomben! Für eine möglichst präzise Bombardierung mussten die anfliegenden Verbände markante Orientierungspunkte verwenden. Für Dresden war es damals das an der Elbe im Ostragehege gelegene Stadion. Für alle von den Alliierten durchgeführten Bombardierungen wurden Luftbilder angefertigt und dies sowohl unmittelbar während des Angriffes als auch nach 3 Tagen mittels Kontrollflügen.


Trefferbild von Dresden 1945, Quelle Bild 102,Quelle T. Lange, Luftbilddatenbank Würzburg

Wie werden diese Bomben gefunden und entschärft? Ein wichtiges Hilfsmittel sind die bereits beschriebenen Luftbilder. Weitere Hilfsmittel sind die im sächsischen Bombenkataster enthaltenen Daten von Zeitzeugenaussagen über stattgefundene Kampfhandlungen in dem betreffenden Gebiet, bisherige Bombenfunde etc. Trotzdem ist das Auffinden dieser Bomben sehr schwierig. Veränderte Straßenführungen, Überbauungen u.a. erschweren die Ortung. Darüber hinaus ist es ein Phänomen, das in das Erdreich eintretende Bomben, das Einschlagloch ist am Durchmesser von nur ca. 1,5 m gegenüber von Bombentrichtern erkennbar, eine bogenförmige Bahn mit bis zu 6 m Tiefe und 15 Meter Entfernung zurücklegen kann. In der Regel lagern die Blindgänger mit der Spitze nach oben im Erdreich!

Ist eine Sprengung der Fundmunition vor Ort erforderlich, können die Druckwellen in der Umgebung erhebliche Detonationsschäden und die umherfliegenden glühenden Trümmerteile Brände auslösen. Das in Sachsen entwickelte innovative Verfahren, Abdecken der zur Sprengung vorgesehenen Fund-munition mit wassergefüllten Flextanks, verhindert gerade dieses mögliche Schadensbild. Die Ab-deckung „dämpft“ die Detonationskraft und löscht die glühenden Trümmerteile.


Trefferbild von Dresden 19.4.1945, Quelle Bild 103 T. Lange, Luftbilddatenbank Würzburg

Die Tätigkeit ist kein Ausbildungsberuf. Sie wird in mehreren Aufbaulehrgängen vermittelt.
Die Anwesenden waren sich einig in der Auffassung, einen hochinteressanten, lehrreichen und gekonnten Fachvortrag gehört zu haben.

Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

Kontakt

Geschäftsstelle
Freundeskreis Luftwaffe e.V.
Wahn 504/10
Postfach 906110
51127 Köln

Telefon: +49 (0) 2203 - 64815
Telefax: +49 (0) 2203 - 800397
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